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Gefahren und Nutzen von Psychotherapie

Die Entscheidung, eine Psychotherapie zu beginnen, gehört sicherlich zu den schwierigsten Entscheidungen, vor denen man stehen kann. Besonders beim ersten mal. Denn dazu gehört ja irgendwie, selbst zu akzeptieren, daß man Probleme hat und daß man allein damit nicht mehr zurecht kommt. Und dann muß ich es auch noch jemand anderem zeigen - zumindest dem Therapeuten oder der Therapeutin. Und dann bin ich einer von DENEN.

 

Anfangs wird es von vielen Klienten einer Psychotherapie als große Kränkung erlebt, überhaupt die Hilfe eines Therapeuten in Anspruch nehmen zu müssen. Später sind viele allerdings auch stolz auf das Erreichte und darauf, überhaupt an sich zu arbeiten.

 

Es gibt auch immer große Ängste: Der durchschaut mich gleich auf den ersten Blick, dann bin ich schutzlos und außerdem sieht er vielleicht alle meine schlechten Eigenschaften... Vielleicht soll ich hier umerzogen werden - dabei weiß ich doch tief in mir, daß ich im Grunde eigentlich in Ordnung bin ! Oder werden hier vielleicht irgendwelche geheimnisvollen Dinge mit mir gemacht und dann bin ich nicht mehr Herr über mich selbst ?

Es gehört viel Mut dazu, sich anzuvertrauen.

 

Warum sollte man so etwas überhaupt tun – in Therapie gehen ? Entweder man wird gezwungen, das gibt es auch, oder aber, irgendwo besteht eine Hoffnung, daß es vielleicht auf diesem Wege besser werden kann.

 

Am Anfang steht eigentlich immer irgend eine Art von Unglück. Irgend etwas funktioniert nicht - der Körper, die Beziehung(en), die Arbeit, die Sexualität, der Alltag... Manchmal reicht auch schon das Gefühl, daß das Leben irgendwie nicht so gut läuft, wie es eigentlich sollte.

 

Meist waren alle möglichen Lösungsversuche mehr oder weniger vergeblich und Ratlosigkeit und Leiden haben die Oberhand gewonnen. Und es gibt keine auffindbaren körperlichen Ursachen für alles das.

 

An diesem Punkt sehen wir Therapeuten die meisten unserer Klienten zum ersten mal. Und dann ?

 

Dann beginnt für unsere Klienten eine mehr oder weniger lange Zeit der Arbeit an sich selbst.

 

Ich selbst sehe uns Therapeuten dabei als eine Art Hebamme der Seele: Wir sorgen so gut wir können für unsere Klienten, wir bieten Zuwendung, Raum, Zeit und Schutz. Es gibt Techniken, die wir anwenden können, um den Vorgang der Geburt (des Neuen) zu erleichtern oder in Gang zu setzen. (Unabhängig von allen Techniken ist allerdings Sympathie das Wichtigste.) Oft werden alte Schmerzen, Ängste und andere unangenehme Gefühle auftauchen. Das Ergebnis können wir nicht bestimmen, aber es wird Ihr ganz eigenes Ergebnis sein. Und wenigstens ein bißchen mitmachen müssen Sie auch...

 

Ein glücklicher Ausgang ist keineswegs sicher. Etwa zwei Drittel der Klienten einer Psychotherapie schätzen hinterher ein, daß es ihnen jetzt besser geht oder daß sie geheilt sind. Ein Drittel kommt nicht gut voran, aus den verschiedensten Gründen. Statistisch gesehen (und zwar nur statistisch) gibt es also 70% Hoffnung...

 

Ich selbst denke, daß es sich immer lohnt. Jeder nimmt etwas mit, auch wenn es vielleicht erst in ein paar Jahren zu keimen beginnt.

 

 

 

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